Anne Frank Oratorium

Am 09.11.2018 um 20 Uhr bringen der  Gospelchor „The Christians“, Schülerinnen des Gymnasiums
Warstade und der Vokalchor Hameln

das Oratorium „Anne! Damit wir klug werden!“ zum Vortrag. Christian Cordes, Chorleiter der „Christians“, hat das Werk mit den Sängern einstudiert.

 

 

 

 

 

 

 

Artikel aus der NEZ vom 17.10.
Von Carmen Monsees

HEMMOOR.

Der Gospelchor „The Christians“ sowie Schülerinnen des Gymnasiums Warstade und der Vokalchor Hameln bringen das Oratorium „Anne Frank“ zur Aufführung – am Freitag, 9. November, um 20 Uhr in der Warstader Christuskirche.
Das Werk stammt aus der Feder von Marita und Reinhard Gramm aus Geversdorf.
Die Chorproben leitet der Hemmoorer Lehrer Christian Cordes.
Was da in die Musik übertragen wurde, ist ein Stück Zeitgeschichte, die einen packt: „Anne! Damit wir klug werden“ – das Oratorium für Blechbläser, Vokalchor, Percussion und Sprecher ist dem kurzen
Leben der Anne Frank gewidmet. Das Leben des jungen Mädchens, das während des Zweiten Weltkrieges als Jüdin von den Nazis verfolgt und ermordet wurde, ergreift und erschüttert die Menschen noch heute. Anne Frank hat von 1942 bis 1944 in ihrem Versteck in Amsterdam ein Tagebuch geschrieben. Nachdem sie verraten und entdeckt worden war, endete das Kinderleben im Konzentrationslager.
„Musikkultur kann ein Schlüssel sein, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten, ganz entscheidend auch mit Blick zurück auf den millionenfachen Juden-Mord im nationalsozialistischen Deutschland. Die vertonte Geschichte der Anne Frank soll anregen, das eigene Leben sinnstiftend zu
überdenken und eine Richtung zu wahren, die von Menschlichkeit geprägt ist und gegen Rassismus“, unterstreichen Marita Gramm und ihr Ehemann Reinhard, der auch Landesposaunenwart im Sprengel Stade ist. Sie hat die Texte zum Oratorium geschrieben, er ist der Komponist, beide leben in Geversdorf.
„Das Tagebuch wurde zum stillen Begleiter, dem Anne Frank ihr Innerstes anvertraut hat, aus dem nicht allein Verzweiflung spricht, sondern immer auch Hoffnung!“, sagt Marita Gramm. Beim Lesen
und Recherchieren sei sie einem Mädchen begegnet, dessen Lebenskreis immer kleiner geworden sei und das dennoch Mut zur Hoffnung behalten habe. Sie sagt auch, dass sie die Geschichte nur in Etappen habe verarbeiten können. „Es ist so unendlich grausam, wenn man realisiert, dass es wahr ist.“ So lasse sie Anne Frank aus ihrem Tagebuch, durch ihre Texte, die sie mit Zeitzeugenberichten
verknüpft habe, selber sprechen. „Diese Texte wird die 17-jährige Gymnasiastin Kim von Hein in der Christuskirche lesen.“ Das Oratorium schwanke zwischen Hoffnung und Verzweiflung und sei dem Gedenken an die unzähligen unschuldigen Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gewidmet.

Stille aushallen können
Komponist Reinhard Gramm vereint in dem Werk verschiedene Anlehnungen. So erinnert er mit dem Luther-Lied „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“  an die dunklen Seiten der Reformation, die
nicht unbedingt für Toleranz gestanden, sondern mit Luthers antisemitischen Äußerungen auch für Hass und Vertreibung gesorgt habe.
„Dann habe ich Stille komponiert. Das hat mir einiges abverlangt“, sagt Reinhard Gramm. „Wir erzählen die Geschichte zu Ende. Das Oratorium endet nicht mit dem Tod von Anne Frank, die
tragischerweise das Kriegsende nicht mehr erlebt hat, sondern es endet damit, wie die Menschen enden mussten.“ Ausgedrückt in Stille, die etwa fünf Minuten andauert und aus der der Komponist die Zuhörer am Ende wieder herausholt. „Stille muss ein Mensch auch aushalten können. Nicht jeder schafft das“, so Gramm
Auch Tochter Julia spielt wieder Posaune, wenn am 9. November das Oratorium vom Leiden und Leben des jüdisch-deutschen Mädchens erzählt wird, das mit seiner Familie aus Furcht vor den
Nationalsozialisten auswanderte, untertauchte, verraten und verhaftet wurde und kurz vor Kriegsende in Bergen-Belsen qualvoll starb. 22 Mal wurde das Oratorium bereits aufgeführt, 22 Mal hat Julia mitgewirkt. „Jedes Mal ist es anders, und jedes Mal gibt man beim Musizieren ein Stück seiner Seele. 
Manchmal kommen Tränen hoch“, sagt die 17-jährige Schülerin. Christian Cordes ist musikalischer Leiter des Hemmoorer Gospelchors „The Christians“. Er hat die elf- bis 17-jährigen Schülerinnen des
Warstader Gymnasiums erst einmal über gängige Lieder an das Ungewohnte herangeführt, bevor er sie mit dem in der Region bekannten Gospelchor zusammengebracht hat. Cordes sagt: „Nach der ersten Probe war mir klar, das ist es.“ Und dann sei die Herzensentscheidung gewachsen. „Wenn man mit jungen Leuten eine Aufarbeitung der Judenverfolgung mit dem Leben des Mädchens Anne, ihren Ängsten, Zweifeln, Wünschen und Hoffnungen angeht, kann man nur staunen, welch andere Seite die
jungen Menschen von sich zeigen.“ Die Konzentration der Schülergruppe könne er nur in den höchsten Tönen loben. Und für den Gospelchor „The Christians“ ist es einmal mehr Markenzeichen, immer wieder etwas anderes und Besonderes zu Gehör zu bringen.

Das Oratorium
> Anne! Damit wir klug werden – das Werk in acht Stücken

Ouvertüre
1. Lebenslust
2. Untertauchen
3. Psalm 69
4. Ach Gott, vom Himmel sieh darein
5. Stille Nacht
6. God heeft het eerste woord
7. D-Day-Blues
8. Ich sehn mich so

Diesen Artikel empfehlen.
No comments yet.

Schreibe einen Kommentar